Kindliche Entwicklung - Zeitgefühl
Kinder

Die kindliche Ungeduld oder das Leben im Hier und Jetzt

Mit Autos spielen, sich in expressionistischer Malweise austoben oder die verschiedensten Lego-Bauwerke konstruieren gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen von Kindern. Diese Beschäftigung mit Lieblingsdingen ermöglicht es Eltern, sich ihrerseits mit notwendigen Dingen zu beschäftigen. Doch oft ist schon zehn Minuten später ein bittend bis aufforderndes, «Kannst du mit mir spielen?», zu hören. Vertröstungen wie, «Ich muss erst noch die Wäsche aufhängen und die Spülmaschine einräumen, spiele bitte noch 15 Minuten alleine!», bleiben oft nur dann ohne erneute Nachfrage, wenn sich das Kind total im Spiel vertieft. Meistens vergehen aber nur 5 Minuten, bis vom Spielteppich die nun etwas nachdrücklicher Frage, «Wann spielst du jetzt mit mir?», zu hören ist.

Kennst du auch diese sich ständig wiederholende Nachfrage, die erst enden, wenn die Zeit des Wartens vorbei ist? Warum ist das so? Warum können Kinder so schwer warten, bis XY eintritt?

Kindliches Zeitgefühl – wie entwickelt es sich?

Kinder haben kein Gefühl für Zeit. Sie leben im Hier und Jetzt. Für ihr gegenwartsorientiertes Erleben spielt Zeit bis zum Kindergartenalter keine Rolle. Erst mit zunehmenden Alter entwickeln sie Stück für Stück oder vielmehr Jahr für Jahr ein sogenanntes Zeitgefühl.

Kleine Kinder verbinden die vergehende Zeit mit Handlungen wie Essen, Spielen, Schlafen. Sie nehmen diese wiederkehrenden Handlungen mit all ihren Sinnen wahr und erfassen sie in ihren Abläufen. Das klappernde Geschirr und der Essensduft in der Küche kündigt das baldige Mittagessen an; so wie das Anziehen in einer bestimmten Reihenfolge geschieht … erst Matschhose, dann Jacke, Mütze und zuletzt die Gummistiefel.

Im Kindergartenalter beginnen Kinder zu erahnen, dass es so etwas wie die Zeit gibt. Sie können zunehmend zwischen gerade stattfindenden und abgeschlossenen Ereignissen unterscheiden … zu dem «Hier und Jetzt» kommt das «Morgen» und «Gestern» hinzu. Zeitangaben wie die angekündigten 15 Minuten verstehen Kinder erst im Grundschulalter, wenn sie die Uhr lernen und durch wiederholtes Erleben erfahren, wie sich eine bestimmte Zeitdauer anfühlt.

Verständliche Zeitangaben durch nachvollziehbare Vergleiche

Wie also kann ich einem Kind beim Warten eine Orientierung geben, ohne dass ich mich dabei einer abstrakten Zeitangabe wie den angekündigten 15 Minuten bediene?

Gar nicht so leicht, wo wir doch ganz selbstverständlich zu Zeitangaben wie «Moment», «gleich», «in 5 Minuten» greifen!

Eine Möglichkeit könnte sein, für das Kind nachvollziehbare Vergleiche schaffen, indem wir Zeitangaben mit einem Ereignissen verknüpfen, die das Kind kennt. Während den 15 Minuten, die wir für Spülmaschine und Wäsche benötigen, kann z.B. auch eine Lego-Garage gebaut werden, ehe wir dann gemeinsam spielen. Die halbstündige Autofahrt dauert so lange, bis beispielsweise das Hörbuch zu Ende ist, usw.

Doch können wir nicht umgekehrt auch von den Kindern lernen; wir, die ständig mit dem Kopf auch bei dem sind, was (nicht) war und was noch sein soll?

Wenn ihr tolle Zeit-Ereignis-Verknüpfungen für eure Kinder gefunden habt, lasst euch von den Kindern die Hingabe für das Hier und Jetzt zeigen!

Welche Zeit-Ereignis-Verknüpfungen hast du entdeckt oder erdacht? Schreib es gerne in die Kommentare.

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