Hausaufgaben und Fehler
Kinder

Hausaufgaben – Umgang mit Fehlern

Während im Kindergartenalter das Lernen unserer Kinder in vielen Situationen eher leistungsbefreit war, richtet sich nun im Schulalter ein konkreter Leistungsanspruch von außen an sie. In der Schule werden ihnen verschiedene Lerninhalte vermittelt, die sie sich aneignen, verinnerlichen und richtig anwenden sollen. Doch Leistungen – egal welcher Art – beinhalten auch immer die Möglichkeit des Nichtgelingens. Was also tun bei Fehlern?

Fehler als Teil des Lernens

Fehler gehören zum Lernen und damit zu den Hausaufgaben dazu! Jeder, der Neues lernt wird auch Fehler machen. Dabei sind Fehler nicht gleichbedeutend mit Versagen im Sinn von «Das kann ich / er / sie noch nicht!» zu sehen, sondern eine wichtige Rückmeldung im Lernprozess wie «So geht es nicht, ich muss es anders probieren» und damit notwendig für den Wissensgewinn.

Für Kinder ist es wichtig, dass sie für dieses Ausprobieren Raum bekommen. Was braucht Platz in diesem Raum? Sich ausprobieren zu können erfordert die Möglichkeit etwas auf eine Art zu versuchen, das eigene Tun dabei selbst zu überprüfen und es ggf. auf eine andere Weise nochmals zu versuchen. Kinder in diesem Prozess von Fehlern abzuhalten, würde sie am selbstbestimmten Lernen hindern. Wie kannst dein Kind dabei unterstützen?

  • Bestärke dein Kind durch das Zutrauen in seine Person und in seine Fähigkeiten, dranzubleiben, es weiter zu probieren. «Auch wenn du es nicht auf Anhieb schaffst, bin ich mir sicher, dass es dir irgendwann gelingen wird, probiere es weiter!»
  • Feiere gemeinsam geglückte Versuche. «Oh schau, wie toll dir das da gelungen ist!»
  • Und vor allem honoriere seine Anstrengung bis zum geglückten Versuch. «Das war jetzt voll knifflig für dich. Super, wie du da drangeblieben und es selbst gelöst / geschafft hast!»
Rolle der Lehrkraft

Manche Fehler entdecken Kinder von alleine, für andere brauchen sie die Rückmeldung von außen. Doch wer ist in diesem Fall «außen». Nehmen wir mal an – und das ist der Reflex vieler Eltern – du fühlst dich dafür zuständig. Du sagst deinem Kind, wo es welche Fehler gemacht hat und korrigierst diese gemeinsam mit ihm. Es zeigt am nächsten Tag die korrekte Hausaufgabe seiner Lehrerin und diese freut sich darüber, wie gut dein Sohn / deine Tochter die vermittelten Unterrichtsinhalte vom Vortag verstanden hat. Und dein Kind erhält eine positive Rückmeldung über etwas, das nicht seine alleinige Leistung ist.
Wem hilft dieses verzerrte Bild? Wäre es nicht besser, die Klassenlehrerin deines Kindes hätte anhand der Hausaufgabe eine unmittelbare Rückmeldung und würde wissen, was dein Sohn / deine Tochter gut kann und wo es möglicherweise noch etwas Unterstützung benötigt? Auch könnte sie möglicherweise erkennen, wie viel Anstrengung die gestellte Hausaufgabe deinem Kind abverlangt hat, weil beispielsweise der Buchstabe S erst nach einigen Zeilen der aufgegebenen Schreibübung eine gleichmäßig geschwungene Form hat. Ihre Rückmeldung an dein Kind könnte sich dann genau darauf beziehen und würde es in seiner erbrachten Leistung bestärken … in diesem Fall dran geblieben zu sein, sich angestrengt zu haben.

  • Fällt es dir schwer, Fehler zuzulassen und dein Kind mit „fehlerhaften Hausaufgaben“ am nächsten Tag in die Schule zu schicken, reflektiere deine eigene Haltung zur Schule. Unser Blogartikel Schulanfang – Neuauflage oder Neubeginn könnte dir dabei möglicherweise helfen.
  • Bist du dir dennoch unsicher, frage bei der Klassenlehrerin nach, ob sie die Hausaufgaben als ein Art Lernkontrolle (s.o.) sieht oder sie sich eine Vertiefung der Unterrichtsinhalte bei den Hausaufgaben wünscht.
Hilfestellung bei den Hausaufgaben

Wo eine unterstützende Hilfestellung hingegen angebracht ist, wenn dein Kind die Aufgabe nicht verstanden hat. Wie kann diese Unterstützung ausschauen?

  • Warte ab, bis dein Kind dich um Unterstützung bittet.
  • Lass dir von deinem Kind die Schwierigkeit beschreiben. Oft ergibt sich daraus schon die Lösung und du kannst mit ihm gemeinsam diesen selbst erreichten Erfolg feiern.
  • Gib nur so viel Hilfestellung wie notwendig, damit dein Kind wieder selbständig weitermachen kann. Manchmal reicht es, für eine selbständig Lösungssuche im Mut zuzusprechen. In anderen Fällen braucht es eine kleine Hilfestellung in der Form eines Hinweises, nicht aber die Antwort bzw. Lösung selbst.
Umgang mit Nachlässigkeiten und Regelverstößen

Natürlich gibt es auch jene Fehler, die vermeidbar wären, wenn die Motivation, Anstrengungs- oder Leistungsbereitschaft größer gewesen wäre. Doch auch das ist Teil der Hausaufgabe. Dein Kind wird in der Schule eine entsprechende Rückmeldung dazu erhalten und die gestellte Aufgabe ggf. nacharbeiten müssen. Konsequenzen bei Nichteinhaltung / Regelverstößen ect. sind Bestandteil unserer Gesellschaftsstruktur und somit auch Teil des Schulalltages. Wir alle wägen immer wieder ab, ob wir eine bestehende Regel einhalten oder mögliche Konsequenzen in Kauf nehmen, etwas, das auch unsere Kinder lernen (müssen). Und auch das gelingt ihnen nur durchs Ausprobieren. «Was passiert, wenn ich das nur „mit halber Kraft“ mache oder einen Teil vielleicht sogar überhaupt nicht?»

  • Ermögliche deinem Kind diese „Fehler“ bzw. diesen Lernprozess, lasse auch Regelverstöße zu.
  • Verdeutliche ihm möglicherweise noch einmal den Zusammenhang zwischen seinem Verhalten und der Rückmeldung / ausgesprochenen Konsequenz in der Schule. Für Kinder ist es wichtig nicht nur die Regeln, sondern auch die möglichen Konsequenzen bei Nichteinhaltung zu kennen. Mit diesem Verständnis können sie die Situation besser einschätzen und eine eigene Entscheidung treffen.
  • Zeige ihm die Möglichkeit der eigenen Entscheidung auf. Es kann sich zukünftig anders entscheiden oder aber genau jene Konsequenzen in Kauf nehmen.

Wir hoffen mit diesem Blogartikel dem Thema Fehler etwas den Schrecken genommen zu haben und wünschen dir und deinem Kind einen selbstbestimmten und entspannten Umgang damit.

Deine

Socialitas

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